Der Zeichner und Illustrator gewährt einen Einblick in seine Traumwelten
Seit über zehn Jahren hält Christoph Fischer in seinem Skizzenbuch Gesehenes und Erlebtes seiner Träume fest, ohne sie durch Analyse oder Interpretation zu entzaubern. Er zeigt kuriose Inhalte, die in dieser Kombination vielleicht noch nie zuvor von einem menschlichen Hirn gedacht wurden, und gewährt uns so einen sehr persönlichen Einblick in seine Traumwelt. Die surrealen Situationen, deren Bedeutung sich dem Träumenden selbst nur selten erschliessen, lassen den Leserinnen und Lesern viel Spielraum zur Interpretation. Mit einem Beitrag von Olaf Knellessen, Psychoanalytiker, zu den Traumbildern sowie einem Gespräch mit dem Künstler von Anette Gehrig, Direktorin Cartoonmuseum Basel.
Anette Gehrig (Hg.) Christoph Fischer Christoph Merian Verlag, Basel – Während ich schlief Grafische Gestaltung: Groenlandbasel, Basel
Dorthea Weishaupt und Sina Gerschwiler März 2020, 192 Seiten, 170 meist farbige Abbildungen, broschiert, 22,5 × 32 cm
ISBN 978-3-85616-919-0
«Heinz statt Blumen»
Der Text Heinz und «Heinz» von Florian Leu beschreibt, was es bedeutet, wenn der Strassenwischer Heinz Gilli sich selber als Betonstatue auf dem Kreisel Kreuzstutz verewigt sieht, deren Umgebung er jahrelang lang sauber gehalten hat. Die Publikation zeigt den Werkprozess, Pläne und Skizzen, Bilder aus dem Fotoalbum von Heinz, Unfälle rund um den Kreisel, die Produktion in Beton und die Einweihung der Figur, sowie eine Sammlung von Bildreferenzen zu anderen Skulpturen weltweit. Ein grafischer Zeitstrahl listet die Hürden und Hindernisse auf, die dieses zähe und langwierige Projekt beinahe scheitern liessen. Für den Autor ist das Buch eine Mischung aus Dokumentation, Zeitzeugnis, Sicherung von Hintergrundwissen und Therapie-Projekt, entstanden aus einer riesigen Fülle an Recherche-Material.
Herausgeber und Redaktion: Christoph Fischer, André Meier Eigenverlag, – Heinz statt Blumen Text „Heinz“ und Heinz: Florian Leu Grafische Gestaltung: meierkolb 2017, 178 Seiten, 170 meist farbige Abbildungen, broschiert, 16 × 23 cm ISBN 978-3-033-06359-4
«Auf der langen Bank»
Der Bahnhofsplatz in Luzern gilt als Treffpunkt von Gruppen, die kaum in die Gesellschaft integriert sind, wie etwa Alkohol-und Drogenabhängige, Punks und anderen Gruppen. Während eines halben Jahres zeichnete Christoph Fischer direkt vor Ort Jugendliche, Punks und viele andere, die er dort immer wieder antraf. Im selben Zeitraum wurden auf Anordnung der Stadt die Sitzbänke entfernt, um die Situation zu entschärfen, und den repräsentativen Charakter des Bahnhofplatzes aufzuwerten, aber auch das Konfliktpotential durch das Aufeinandertreffen dieser Gruppen zu entschärfen. Die Szene hat sich danach auf die Bänke im Umkreis von hundert Meter verteilt. Während die Reisenden jetzt stehend auf den Bus warten. Entstanden ist aus den ca. 60 Zeichnungen und gesammelten Geschichten und Zitaten das Heft «Auf der langen Bank» als Sonderheft fürs «041-Das Kulturmagazin».
Christoph Fischer «041 - Das Kulturmagazin», Luzern, Sonderbeilage Grafische Gestaltung: meierkolb 2012, 60 Seiten s/w, geheftet, 22,5 × 32 cm ISSN
«Teufelskreisel Kreuzstutz»
«‹Das allerschlimmste Ghetto der Schweiz› stigmatisierte einmal eine Gratiszeitung das Quartier und meinte damit den hohen Ausländeranteil, was sich an der grossen und farbigen Vielfalt von Geschäften zeigt. Für die meisten Leute ist es nur ein Durchgangsort am Hinterausgang der Stadt Luzern, den sie vom Vorbeifahren kennen. Kein Ort zum Bleiben. Für mich ist der Kreisel jedoch inzwischen zur Heimat geworden, zum Mittelpunkt, an dem sich alles vorbeibewegt. Immer wenn ein Ereignis draussen meine Aufmerksamkeit besonders erregt, sei es durch Lärm oder einfach nur durch einen Blick aus dem Fenster, halte ich es in einer Skizze fest.»
Christoph Fischer überrascht mit einem kriminologisch kreativen Potenzial und einer Akribie, die ihresgleichen sucht. In seinem Buchprojekt macht Fischer den «Teufelskreisel» Kreuzstutz zum Gegenstand einer riesigen Recherche und dokumentiert dabei eine aussergewöhnliche Beobachtungs- und Visualisierungsgabe, mit der er den Zustand der städtischen Gesellschaft einleuchtend sichtbar macht. Die liebevolle Boshaftigkeit, mit der er seine nächste Umgebung analysiert, macht sein Werk zu einer komplexen soziologischen Studie des alltäglichen Wahnsinns.
Christoph Fischer Edition Patrick Frey – Teufelskreisel Kreuzstutz Grafische Gestaltung: meierkolb 2008, 520 Seiten mit meist farbigen Abbildungen, Softcover, 18.2 × 14.3 cm ISBN 978-3-85616-919-0